Wie geschieht die pädagogische Planung

unterricht.jpgIn unserer Kindertagesstätte, die Entwicklungsraum für alle Beteiligte ist, geht es um die Balance zwischen der Anwendung von erlerntem Wissen und dem alltäglichen, kreativen Experiment.
Damit diese Balance gewährleistet wird, bedarf es einer flexiblen und offenen Planung, der eine große Bedeutung zukommt.
Diese Planung stellt hohe Anforderungen an uns Erzieherinnen, denn es gilt an bedeutsamen Situationen im Erleben der Kinder, an ihren Erfahrungen und Fragen anzuknüpfen, den Kindern genügend Freiraum zu geben und zugleich systematisch an der Umsetzung der Bildungsziele (Ich-, Sozial-, Sach-, Lernkompetenz) und der Bildungsinhalte (Körper, Bewegung, Gesundheit; Soziale und kulturelle Umwelt, Werteerziehung und religiöse Bildung; Sprache und Schrift; Bildnerisches Gestalten; Musik; Mathematische Grunderfahrungen; Naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen) zu arbeiten.
Bei der Planung und Gestaltung des Tagesablaufs im Kindergarten orientieren wir uns an den Bedürfnissen und physischen Besonderheiten der Kinder und am Jahreskreislauf, religiösen Festen und Feiern.



Ein Beispiel aus der Praxis: Das religiöse Fest im Jahreskreislauf - Weihnachten

Bedürfnisse der Kinder: Wunschzettel werden geschrieben, Erlebtes wird mitgeteilt, z .B. erlebte Advents- und Weihnachtsbräuche, Adventskalender, geschmückte Schaufenster, gebackene Weihnachtsplätzchen, Bewegungsdrang, Wechsel zwischen Anspannung und Entspannung,...

Physische Besonderheiten: unterschiedliche Entwicklungsstände der Kinder, leichte Erregbarkeit, Empfindsamkeit, rasche Ermüdbarkeit, Beeinträchtigungen der Kinder,...


Bildungsinhalte:

Körper, Bewegung und Gesundheit:
Lichtmeditationen, gesunde Ernährung (Plätzchen backen), Winterspatziergänge,...

Soziale und kulturelle Umwelt, Werteerziehung und religiöse Bildung:
  • die Kinder lernen Brauchtümer von uns und anderen Kulturen kennen
  • wir machen jemand anderem eine Freude z.B. Weihnachtsgeschenk für die Eltern selbst herstellen
  • religiöses Hintergrundwissen wie Sinn und Ursprung des Weihnachtsfestes werden erläutert


Sprache und Schrift:
Bilderbücher, Gespräche, Geschichten, Gedichte, Fingerspiele zum Thema Weihnachten

Bildnerisches Gestalten:

Rund ums Thema Weihnachten wird gemalt, gebastelt, geklebt und gewerkelt.

Musik:
Weihnachtslieder werden gesungen, mit Instrumenten begleitet, Musik gehört und sich zur Musik bewegt.

Mathematische Grunderfahrungen:
Die Kinder zählen die Tage bis Nikolaus und Weihnachten. Die Adventszeit dauert 4 Wochen (auf dem Adventskranz sind 4 Kerzen, pro Woche eine- eine Woche hat 7 Tage) und 24 Tage, also 24 Türchen   am Adventskalender.

Naturwissenschaftliche und technische Grunderfahrungen:
Die Gefahren von Feuer werden erläutert, das Anzünden und Ausblasen von Kerzen geübt, mit Schnee, Eis und Wasser experimentiert, der Weg der einzelnen Zutaten bis hin zu den fertigen Plätzchen begleitet und mit hell und dunkel experimentiert.

Die Arbeit der Mitarbeiterinnen hat sich einerseits mit den Kindern zusammen im Kindergarten zu vollziehen, andererseits hat sich die Einrichtung aber auch mehr als bisher auf das „ Draußen“ zu konzentrieren, dass wir die Situationen, mit denen Kinder täglich in Berührung stehen in unsere Planung mit einbeziehen.
Uns Erzieherinnen kommt somit die Aufgabe zu, die besonderen realen Situationsbereiche der Kinder in Erfahrung zu bringen und zu durchdenken ( womit sind die Kinder wirklich konfrontiert, was beschäftigt oder beunruhigt die Kinder heute ....).
Es geht also um Situationen, die von Kindern als bedeutsam erlebt oder erbittet werden.

Die Kinder werden an Entscheidungen des alltäglichen wie des besonderen Geschehens in unserer Kita. beteiligt. So unterstützen wir die eigenständige Entwicklung der Kinder zur Selbständigkeit und Gemeinschaft.
Wir nehmen die Kinder ernst, vertrauen ihnen, nehmen sie partnerschaftlich, mitfühlend und unterstützend an.

Projekte können anhand von Beobachtungen und aktuellen Situationen entstehen oder auch demokratisch gewählt werden.

Zum Beispiel beobachtet die Erzieherin die Kinder bei ihrem Spiel, ihrem Tun , im Gespräch und stellt so fest welche Inhalte oder Themen bei den Kindern interessant und aktuell sind.
So entsteht ein Projekt:

„ Auf dem Bauernhof ist was los“
In unserer Einrichtung sind mehrere Kinder , die zu Hause einen Bauernhof haben. Die Erzieherin beobachtet wie die Kinder immer öfter Spieltraktoren, Rundballenpresse, Maishechsler mitbringen und damit spielen. Da unser Kindergarten sehr ländlich orientiert ist und direkt an Felder und Wiesen grenzt, die Kühe und Pferde auf der Weide vom Spielplatz täglich beobachtet werden können, ist auch das Prinzip der Lebensnähe gewährleistet. Die Beobachtungen werden im Team vorgestellt, mit den Kindern besprochen, didaktische und methodische Vorgehensweise erörtert mit den Kolleginnen und gemeinsam mit den Kindern geplant.
In den folgenden Tagen und Wochen werden dann die einzelnen Tiere, die auf dem Bauernhof leben näher besprochen, ihre Lebensgewohnheiten, Nahrung, Fortpflanzung usw. anhand von Bilder- und Sachbüchern, Geschichten und eigenen Erlebnissen genau unter die Lupe genommen. Ein Bauernhof wird besucht, Tiere und Maschinen können  in Natur erlebt und bestaunt werden. Der Weg von der Milch direkt von der Kuh durch die Melkmaschine in die Milchkanne bis in die Geschäfte wird verfolgt. Im Kindergarten entsteht als Gemeinschaftsproduktion von Kindern und Erzieherinnen ein Hasenstall. Dafür wird das Material von überall her besorgt, gemeinsam gehämmert, gesägt und geschraubt. Die Kinder dürfen sich einen Hasen aussuchen bei einem Bauern, den sie selbst versorgen müssen. Im Frühjahr kann auch lebensnah die Fortpflanzung  des Kindergartenhasen beobachtet und die Aufzucht der Jungen über Wochen verfolgt werden.
 
Projektfindung durch ein demokratisches Wahlverfahren:
Einmal im Jahr werden in unserer Einrichtung Themen von den Kindern gesammelt, die sie interessieren. Durch ein Wahlverfahren werden die Themen reduziert und mit Kinder-Vertretern aus jeder Gruppe besprochen und abgestimmt, welche und wie viele Projekte gewünscht und durchführbar sind. Nachdem feststeht, welche Erzieherin an welchem Projekt teilnimmt, wählt sich jedes Kind in ein Projekt unter den Gesichtspunkten:

  • Thema: Was interessiert mich? Worüber möchte ich gerne mehr wissen?
  • Wohin gehen meine Freunde?
  • Wo ist meine Gruppenerzieherin?
  •  In welchem Raum findet es statt?



Projekte erstrecken sich meist über einen längeren Zeitraum. Die Dauer ist abhängig von dem Interesse und den Erlebnissen der Kinder und der Eigendynamik jedes Einzelnen.

Um einen positiven Projektablauf und ein positives pädagogisches Handeln zu gewährleisten ist eine regelmäßige gemeinsame Reflektion von Kindern und Erziehern unumgänglich.

Anhand von Reflektionsplänen wird den Eltern unsere Arbeit transparent gemacht.